Freispiel ist die Zeit, in der Kinder selbst entscheiden, was, wo, wie lange und mit wem sie spielen. Die Fachkraft gibt weder Thema noch Material vor, sondern gestaltet den Rahmen: Räume, Zeit, Sicherheit. Im Hort ist das Freispiel kein Lückenfüller zwischen Mittagessen und Abholzeit, sondern ein eigenständiges Bildungsangebot.
Der Begriff klingt harmloser, als er ist. Denn was Kinder im Freispiel tun, ist Arbeit an den eigenen Entwicklungsaufgaben: Sie handeln Regeln aus, gründen und verwerfen Freundschaften, verlieren, gewinnen, verhandeln. Kein angeleitetes Angebot bildet soziale Kompetenzen so dicht ab wie eine Stunde selbstbestimmtes Spiel.
Warum Freispiel gerade für Schulkinder zählt
Ein Kind, das um 13 Uhr aus der Schule kommt, hat bereits fünf Stunden fremdbestimmtes Programm hinter sich. Sitzen, zuhören, Aufgaben erfüllen. Der Hort ist oft der einzige Ort des Tages, an dem das Kind selbst bestimmt, was passiert. Wer diese Zeit mit weiteren Angeboten und Kursen füllt, nimmt Kindern etwas weg, das sie nirgendwo sonst bekommen.
In der Praxis heißt das nicht, dass die Fachkraft danebensteht und Kaffee trinkt. Sie beobachtet, erkennt Spielthemen, stellt Material bereit und entscheidet im Einzelfall, wann sie sich einmischt und wann gerade das Nicht-Eingreifen die pädagogische Leistung ist. Diese Zurückhaltung fällt vielen schwer, die aus stark strukturierten Settings kommen.
Ein Beispiel aus dem Hortalltag
Drei Jungen bauen seit Tagen an einer Bude aus Sofakissen. Immer wieder Streit: Wer darf rein, wer bestimmt. Die Fachkraft könnte die Bude verbieten (»zu viel Streit«) oder einen Dienstplan aushängen. Sie tut beides nicht, sondern fragt die drei, wie sie das Problem lösen wollen. Am nächsten Tag hängt ein selbst gemaltes Schild: »Klopfen. Max fragen.« Genau darin steckt der Wert des Freispiels: Die Lösung gehört den Kindern.
Wie viel Freispiel ein Konzept vorsehen sollte, wie Räume dafür aussehen und wann Begleitung nötig ist, steht ausführlich im Fachartikel Freispiel im Hort: Konzept, Bedeutung und Begleitung. Einen Gesamtüberblick über das Arbeitsfeld gibt der Leitfaden Schulkindbetreuung.
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