Niedersachsen geht mit einem Vorsprung in den Rechtsanspruch: Rund 69 Prozent der Grundschulen arbeiten bereits als Ganztagsschule — deutlich mehr als in den meisten Flächenländern. Trotzdem bleibt bis 2029 viel zu tun, und für Teams in Hort und Ganztag stellt sich vor allem eine Frage: Wer qualifiziert die Menschen, die den Ausbau tragen sollen? Die niedersächsische Antwort darauf ist erfreulicher als anderswo — es gibt kostenlose Wege, die kaum jemand kennt.
Ganztagsschule und Hort: die Aufgabenteilung
Die Schulkindbetreuung läuft in Niedersachsen zweigleisig. Die Ganztagsschule nach § 23 des Schulgesetzes ist der dominante Weg; den Rahmen setzt der Erlass »Die Arbeit in der Ganztagsschule«, der zuletzt novelliert und in zwei Teile gegliedert wurde — der neue Vertrags-Erlass für Kooperationen mit außerschulischen Partnern gilt seit Januar 2026 und bringt praktische Erleichterungen wie flexible Abholzeiten und den Wegfall der Gemeinnützigkeitspflicht für Kooperationspartner. Daneben stehen die Horte als Kindertagesstätten nach dem NKiTaG sowie die Verlässliche Grundschule mit mindestens fünf Zeitstunden täglich.
Für den Rechtsanspruch ab dem 1. August 2026 gilt: Der Hort bleibt ausdrücklich ein möglicher Baustein der Erfüllung, auch Kombinationen aus Ganztagsschule und Hort sind zulässig. Die Entscheidung über den Weg liegt bei den Kommunen. Beim Geld teilen sich Bund und Land die Investitionen: Rund 278 Millionen Euro Bundesmittel fließen nach Niedersachsen, das Land legt 55 Millionen Euro drauf. Eine Besonderheit sollten Eltern wie Träger kennen: Die Ferienbetreuung ist nicht Aufgabe der Ganztagsschule — sie bleibt bei Jugendhilfe und Kommunen, was die Horte auf absehbare Zeit unverzichtbar macht. Zum bundesweiten Rahmen: Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung ab 2026.
Wer als Fachkraft gilt — inklusive einer Kuriosität
Für Horte regelt § 9 NKiTaG den Fachkräftekatalog. Niedersachsen leistet sich dabei eine bundesweit ungewöhnliche Regelung: Grundschullehrkräfte gelten als Fachkraft — dürfen aber ausschließlich in Hortgruppen eingesetzt werden, nicht im Kindergartenbereich. Für Quereinsteiger öffnet § 9 Abs. 4 eine Tür: Das Landesjugendamt kann im Einzelfall weitere staatlich anerkannte pädagogische Abschlüsse zulassen. An den Ganztagsgrundschulen arbeiten multiprofessionelle Teams aus Lehrkräften, pädagogischen Mitarbeitenden nach § 53 NSchG und außerschulischen Partnern; Schulen können bis zu 40 Prozent ihrer Ganztags-Zusatzlehrerstunden in ein Budget für pädagogische Mitarbeiter und Kooperationspartner umwandeln.
Mehr zu Wegen in den Beruf: Quereinstieg in die Schulkindbetreuung und Fachkräftemangel in der Schulkindbetreuung.
Fortbildung finanzieren: Niedersachsens stille Stärke
nifbe: kostenlose Team-Qualifizierung direkt in der Einrichtung
Das Niedersächsische Institut für frühkindliche Bildung und Entwicklung (nifbe) ist ein landesgefördertes Institut, das es in dieser Form in keinem anderen Bundesland gibt. Über die landesgeförderte Qualifizierungsinitiative »Kinder Schützen, Fördern, Beteiligen!« kommen Referentinnen für Team-Qualifizierungen direkt in die Einrichtung — drei Bausteine mit je 28 Unterrichtsstunden zu Kinderschutz, Förderung und Beteiligung. Die Nachfrage ist so groß, dass aktuell eine Warteliste läuft; frühes Anmelden lohnt also. Sicher kostenlos sind die E-Learnings auf der nifbe-Lernplattform, die sich auch für Ergänzungskräfte und Neueinsteiger eignen.
Qualität in Kitas 3: Bundesgeld für Qualifizierung
Seit August 2025 fördert die Richtlinie »Qualität in Kitas 3« unter anderem Qualifizierungsmaßnahmen für pädagogische Fach- und Leitungskräfte sowie Einführungskurse für Zusatzkräfte, die noch nicht nach § 9 NKiTaG qualifiziert sind — gespeist aus rund 383 Millionen Euro Bundesmitteln für 2025/2026. Träger sollten bei ihrem örtlichen Jugendamt klären, welche Maßnahmen darüber abgerechnet werden können.
Bildungsurlaub und ESF-Projekte
Beschäftigte in Niedersachsen haben nach dem NBildUG Anspruch auf fünf bezahlte Bildungsurlaubstage pro Jahr (nach sechs Monaten Betriebszugehörigkeit, anerkannte Veranstaltungen). Über die NBank laufen außerdem ESF-Plus-Projekte der Regionalen Fachkräftebündnisse; dort beantragen Bildungsträger 40 bis 70 Prozent Förderung für Weiterbildungsprojekte — als Einrichtung profitieren Sie, indem Sie an solchen geförderten Kursen teilnehmen, nicht durch eigene Anträge.
Der schnellste Weg für Ihr Team
Erst die Gratis-Schiene sichern: nifbe-Team-Qualifizierung anfragen (Warteliste!) und die kostenlosen E-Learnings für neue Kolleginnen nutzen. Für die Themen, die dort nicht abgedeckt sind — etwa Konfliktmanagement, Mobbing, Elterngespräche — Inhouse-Formate über das Trägerbudget planen und Bildungsurlaubstage für externe Kurse nutzen.
Inhouse-Fortbildung für Teams in Niedersachsen
Die Leuchtturm Akademie ergänzt die Landesangebote genau dort, wo der Alltag am meisten drückt: Konflikte und Deeskalation, Mobbingprävention, Lautstärke, Elterngespräche, Teamentwicklung. Inhouse vor Ort, als Live-Online-Workshop oder Selbstlernkurs — entwickelt aus über 15 Jahren eigener Praxis in der Schulkindbetreuung von Gründerin Miriam Steimer, Anti-Gewalt- und Coolness-Trainerin.
Der Überblick über alle Themen: Fortbildung Schulkindbetreuung. Anfragen einfach über das Kontaktformular.
Andere Bundesländer im Überblick
Häufige Fragen aus Niedersachsen
Ersetzt die Ganztagsschule bei uns den Hort?
Nicht zwingend. Der Hort bleibt ein anerkannter Baustein zur Erfüllung des Rechtsanspruchs, und die Ferienbetreuung liegt ohnehin nicht bei der Ganztagsschule, sondern bei Jugendhilfe und Kommune. Viele Kommunen fahren deshalb bewusst zweigleisig.
Was kostet die nifbe-Team-Qualifizierung?
Die Qualifizierungsinitiative ist landesgefördert, die E-Learnings des nifbe sind ausdrücklich kostenlos. Die Konditionen der Inhouse-Bausteine klären Sie am besten direkt mit dem nifbe — und wegen der Warteliste möglichst früh.
Dürfen Grundschullehrkräfte bei uns im Hort arbeiten?
Ja — nach § 9 NKiTaG gelten sie als Fachkraft, allerdings ausschließlich für den Einsatz in Hortgruppen. Im Kindergartenbereich derselben Einrichtung dürfen sie nicht als Fachkraft eingesetzt werden.
Wie kommen wir an Mittel aus »Qualität in Kitas 3«?
Die Richtlinie wird über die örtlichen Träger der Jugendhilfe umgesetzt. Der praktikable Weg: beim Jugendamt konkret anfragen, welche Qualifizierungsmaßnahmen für Ihr Team im laufenden Förderzeitraum abrechenbar sind, und die Fortbildungsplanung daran ausrichten.