Montag, 14:30 Uhr, Sitzkreis: Zwanzig Kinder stimmen darüber ab, wofür das Gruppenbudget von 50 Euro ausgegeben wird. Das ist keine nette Beschäftigung, sondern gelebte Demokratie — und genau der Kern einer Kinderkonferenz.
Die Kinderkonferenz ist ein regelmäßiges Gremium, in dem Kinder einer Einrichtung Themen einbringen, diskutieren und verbindlich mitentscheiden. Sie ist eines der wichtigsten Instrumente, um das Beteiligungsrecht aus § 45 SGB VIII und § 8 SGB VIII im Alltag umzusetzen.
Ein Ablauf, der sich bewährt hat
- Themen sammeln, und zwar vorher: Briefkasten oder Themenwand, nicht erst im Kreis (sonst reden nur die Schnellen)
- Moderation klären: anfangs die Fachkraft, später moderieren Kinder selbst mit
- Pro Sitzung höchstens zwei Themen, 20 bis 30 Minuten, fester Wochentag
- Entscheiden mit sichtbarem Verfahren: Handzeichen, Klebepunkte oder Muggelsteine
- Ergebnisse dokumentieren und aufhängen, mit Fotos oder Symbolen für die Jüngeren
Woran Kinderkonferenzen scheitern
Fast nie am Desinteresse der Kinder. Sondern daran, dass Erwachsene nur über Nebensächliches abstimmen lassen und die relevanten Fragen (Regeln, Raumnutzung, Ausflugsziele) weiter selbst entscheiden. Kinder merken das schnell, und dann stirbt das Format an Bedeutungslosigkeit. Die zweite Todesursache: Beschlüsse werden gefasst, aber nicht umgesetzt. Eine Konferenz, deren Entscheidungen folgenlos bleiben, ist schlimmer als keine.
Eine ehrliche Vorab-Frage ans Team lohnt sich deshalb: Welche Entscheidungen geben wir wirklich ab? Erst wenn darauf eine konkrete Antwort existiert, sollte die erste Konferenz stattfinden.
Zehn erprobte Beteiligungsformate, von der Wunschbox bis zum Abstimmungsritual, finden Sie im Artikel Partizipation im Hort: 10 Ideen und Methoden. Die Grundlagen erklärt Partizipation in der Schulkindbetreuung.
Weitere Begriffe im Glossar
Scheinpartizipation · Situationsansatz · Aufsichtspflicht · Betreuungsschlüssel · Alle Begriffe (A–Z)