Der Situationsansatz ist ein sozialpädagogisches Konzept, das reale Lebenssituationen der Kinder zum Ausgangspunkt von Bildungsprozessen macht. Statt eines festen Wochenprogramms greifen Fachkräfte auf, was Kinder aktuell beschäftigt, und machen daraus Projekte und Lerngelegenheiten.
Entwickelt wurde der Ansatz in den 1970er Jahren am Deutschen Jugendinstitut um Jürgen Zimmer, als Gegenentwurf zur damals verbreiteten Beschäftigungspädagogik mit ihren vorgefertigten Bastelvorlagen. Die Grundidee ist bis heute aktuell: Kinder lernen am intensivsten an dem, was sie wirklich angeht.
Wie das im Hort konkret aussieht
Ein Beispiel: In der Gruppe häufen sich Streits über Fußballregeln auf dem Hof. Eine Fachkraft, die situationsorientiert arbeitet, sieht darin kein Störthema, sondern den Stoff für die nächsten Wochen. Die Kinder schreiben ein eigenes Regelwerk, organisieren ein Turnier, vergleichen Schiedsrichtermodelle. Aus einem Dauerkonflikt wird ein Projekt über Fairness, Verhandeln und Verlieren-Können.
Der Unterschied zum Zufallsprinzip liegt in der Systematik. Der Ansatz verlangt, Situationen bewusst zu analysieren: Was beschäftigt die Kinder gerade wirklich? Welche Schlüsselthemen stecken dahinter? Und welche Kompetenzen können sie daran entwickeln? Beobachtung ist hier keine Zusatzaufgabe, sondern das zentrale Arbeitsinstrument.
Für die Umsetzung im Team
Ein praktikabler Einstieg: In der Teamsitzung zehn Minuten fest reservieren für die Frage, welche drei Themen die Kinder diese Woche beschäftigt haben — beobachtet, nicht vermutet. Wer daraus einmal im Monat ein kleines Projekt entwickelt, arbeitet bereits situationsorientiert, ohne die gesamte Konzeption umzuschreiben.
Der Situationsansatz gehört zu den Konzepten, die in vielen Hort-Konzeptionen stehen und selten gelebt werden. Wie eine Konzeption entsteht, die zur Praxis passt, beschreibt der Artikel Konzeptentwicklung in der Schulkindbetreuung. Beteiligung als verwandtes Prinzip vertieft Partizipation in der Schulkindbetreuung.
Weitere Begriffe im Glossar
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