Partizipationsstufen sind Modelle, die den Grad echter Beteiligung von Kindern beschreiben — von Fremdbestimmung und Dekoration am unteren Ende über Mitsprache und Mitbestimmung bis zur Selbstverwaltung. Das bekannteste Modell stammt von Roger Hart (1992), im deutschsprachigen Raum ist die Fassung nach Wolfgang Gernert verbreitet.
Der Wert dieser Modelle liegt weniger in der Theorie als im Spiegel, den sie Teams vorhalten. Viele Einrichtungen, die »Partizipation« in der Konzeption stehen haben, bewegen sich bei ehrlicher Betrachtung auf den unteren Stufen: Kinder werden informiert oder angehört, entschieden wird woanders.
Die Stufen im Überblick
- Fremdbestimmung und Dekoration: Kinder führen aus oder schmücken, was Erwachsene geplant haben (keine Partizipation)
- Alibi-Teilnahme: Kinder dürfen dabei sein, ihre Meinung hat aber keine Folgen (Scheinpartizipation)
- Information und Anhörung: Kinder werden ernsthaft informiert und befragt
- Mitsprache und Mitbestimmung: Kinder entscheiden in definierten Bereichen gleichberechtigt mit
- Selbstbestimmung und Selbstverwaltung: Kinder initiieren und verantworten Vorhaben selbst, Erwachsene unterstützen
Der Selbsttest für Ihr Team
Nehmen Sie drei reale Entscheidungen der letzten Monate — etwa Ferienprogramm, Raumumgestaltung, neue Regeln — und ordnen Sie jede einer Stufe zu. Nicht der Konzeption nach, sondern danach, wie es tatsächlich lief. Das Ergebnis ist oft ernüchternd und genau deshalb nützlich: Es zeigt, wo die nächste realistische Stufe liegt. Der Sprung von »anhören« zu »in einem klar umrissenen Bereich wirklich entscheiden lassen« ist dabei wirksamer als jede Grundsatzdebatte.
Wichtig für die Einordnung: Nicht jede Entscheidung muss auf der höchsten Stufe liegen. Beim Brandschutz entscheiden Erwachsene, beim Ferienprogramm können Kinder ran. Ehrlich zu benennen, was auf welcher Stufe liegt, ist bereits gelebte Partizipation.
Konkrete Methoden für die mittleren und oberen Stufen liefert der Artikel Partizipation im Hort: 10 Ideen und Methoden, die Grundlagen finden Sie unter Partizipation in der Schulkindbetreuung.
Weitere Begriffe im Glossar
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