
Auf einen Blick
- Wertschätzung als Führungsprinzip — und die eigene Schmerzgrenze kennen
- Feedbackkultur mit dem Johari-Fenster, Kommunikation für Führungskräfte
- Führen heißt, Leben in Menschen zu wecken.
Führen heißt: Leben in Menschen wecken
“Führen heißt vor allem, Leben in den Menschen wecken, Leben aus ihnen hervorlocken.” (Anselm Grün)
Pädagogische Leitungskräfte stehen vor einer besonderen Herausforderung: Sie führen Teams, die emotional hochbelastete Arbeit leisten. Der DGB-Index Gute Arbeit zeigt: 63 % der pädagogischen Fachkräfte denken auch zuhause über berufliche Schwierigkeiten nach – der höchste Wert aller Berufsgruppen. Gute Führung ist hier nicht nur ein “Nice-to-have”, sondern unmittelbar gesundheitsrelevant.
Das Fundament: Wertschätzung als Führungsprinzip
Die Leuchtturm-Philosophie für pädagogische Führung basiert auf einem einfachen, aber wirkungsvollen Grundsatz: “Jeder Mensch ist ein Schatz!”
Person und Verhalten klar trennen
Die wichtigste Unterscheidung für Leitungskräfte: Wir trennen eindeutig zwischen Person und Verhalten. Sie können das Verhalten eines Mitarbeiters verstehen, ohne damit einverstanden zu sein. “Verstehen, aber nicht EINVERSTANDEN sein” – diese Haltung ermöglicht es, Kritik zu üben, ohne die Person abzuwerten.
Führungsprinzipien
- “Ich bin OK – Du bist OK” als Grundhaltung für alle Interaktionen
- “Benehmen, das du ignorierst, ist Benehmen, das du erlaubst!” – Wegschauen ist keine Option
- “Bei Kleinigkeiten kleinlich reagieren!” – Kleine Probleme ansprechen, bevor sie groß werden
- “Wer führt, grenzt sich ab!” – Führung braucht klare Grenzen
Die eigene Schmerzgrenze kennen
Basierend auf der Forschung von Joachim Bauer: Das Gehirn stuft verbale Gewalt als gleichwertig mit körperlichem Schmerz ein. Wer systematisch keine Anerkennung erfährt, herabgesetzt oder entwertet wird, wird krank.
Die Schmerzgrenze-Übung für Leitungskräfte: “Es gibt Dinge, die ans Herz gehen. Manche Dinge verletzen den Körper und/oder die Seele, manchmal zeitversetzt. Wenn ich meine wunden Punkte kenne, kann ich mich und andere besser schützen.”
Weitere Mindfulness-Prinzipien für Führung:
- Innehalten: Durch Atempausen Ruhe wiederherstellen und frei werden
- Verantwortung: Das Leben stellt Ihnen Fragen – und Sie geben die Antwort
- Nicht besser sein wollen: Verhalten beschreiben ohne zu urteilen
- Offenheit und Verletzlichkeit: Wenn ich offen bin, bin ich NICHT verletzlich
- Samen der Freude nähren: Was macht mich lebendig? Was macht mich zufrieden?
Feedbackkultur aufbauen: Das Johari-Fenster
Das Johari-Fenster zeigt vier Quadranten des Selbstwissens:
- Öffentliche Person: Mir und anderen bekannt
- Blinder Fleck: Anderen bekannt, mir nicht – Feedback ist der einzige Weg, diesen systematisch zu verkleinern
- Mein Geheimnis: Mir bekannt, anderen nicht
- Das Unbewusste: Beiden unbekannt
Feedback sollte ein regelmäßiges Ritual im Arbeitsalltag werden, nicht ein Ausnahmeereignis.
Die WWW-Feedback-Methode
- Wahrnehmung: “Ich beobachte / bemerke / erlebe…” – die Situation so neutral wie möglich beschreiben
- Wirkung: “Das wirkt auf mich… / Ich fühle mich…” – subjektive Auswirkung auf Denken, Fühlen, Handeln
- Wunsch: “Ich wünsche mir… / Ich empfehle…” – konkreter Vorschlag für die Zukunft
- + Vereinbarung: In Führungssituationen eine verbindliche Absprache treffen
Feedback-Regeln
- Fakten als Fakten, Vermutungen als Vermutungen, Gefühle als Gefühle darstellen
- Feedback zeitnah und direkt geben
- Vorher die Bereitschaft des Empfängers einholen
- Verallgemeinerungen, Übertreibungen und Bewertungen vermeiden
Feedback empfangen
- Zuhören (nur Verständnisfragen stellen)
- Keine Rechtfertigungen
- Für das “Informationsgeschenk” danken
- Eigenverantwortung: selbst entscheiden, was angenommen wird und was nicht
Kommunikation für Führungskräfte
Das Sandwich-Prinzip für Kritik
- Freundlicher Beginn: Small-Talk (nur wenn echter Anknüpfungspunkt)
- Stärken loben: Lob öffnet Menschen – auch für Kritik
- Kritik üben: Konkret und verhaltensorientiert
- Perspektive bieten: Ausblick und nächste Schritte
Nein sagen als Führungskraft
- Zuhören – Interesse und Verständnis zeigen
- Sofort Nein sagen – keine falschen Hoffnungen wecken
- Gründe angeben (nur ein Argument, nicht nachschieben)
- Alternativen anbieten wenn möglich
Umgang mit verärgerten Mitarbeitern oder Eltern
- Die ersten Sekunden überstehen: Nicht sofort reagieren, aktiv zuhören
- Dampf ablassen lassen – nonverbal Anteilnahme zeigen
- Auf Gefühle eingehen
- Sachverhalt klären bevor Sie sich äußern
- Verantwortung übernehmen – Schuld nicht auf andere schieben
- Herausfinden was gewollt wird: “Was erwarten Sie von uns jetzt?”
- Danken für das Gespräch
Vier Reaktionen vermeiden: Zurückschlagen, Leugnen, Beleidigt sein, In-sich-hinein-fressen
Konflikte im Team erkennen
Ein 25-Punkte-Checkbogen hilft Leitungskräften, Konfliktsignale frühzeitig zu erkennen:
- Teammitglieder sind in Sitzungen ungewöhnlich still
- Weniger Zeit für persönlichen Austausch
- Sinkende Arbeitsleistung
- Blickkontakt wird vermieden
- Informationsfluss ist blockiert
- Begrüßungen werden kühler ODER die Atmosphäre wird betont freundlich (beides Warnsignale!)
- Steigender Krankenstand
- “Dienst nach Vorschrift” statt Engagement
- Verbesserungsvorschläge versiegen
- Einzelne Teammitglieder werden ausgeschlossen
- Gereizte Stimmung – Kleinigkeiten führen zu größeren Konflikten
- Teammitglieder verlassen das Team ohne klaren Grund
Wichtig: Diese Beobachtungen können Konfliktsignale sein, müssen es aber nicht. Jeder Fall muss individuell bewertet werden.
Teamentwicklung: Struktur und Methoden
Aufbau einer Teamentwicklung (Ganztags-Format)
- Einstieg: “Mein schönstes Teamerlebnis” – positive Energie setzen
- Kultur der Wertschätzung + Teambarometer (Bestandsaufnahme)
- Team körperlich erleben: Kinästhetische Teamübung
- Teamwerte definieren: Was ist uns als Team wichtig?
- Teambuilding-Übungen
- Feedbackkultur einführen und üben
- Absprachenkultur: Rollen und Verantwortlichkeiten klären, effiziente Teamsitzungen gestalten
- Lobkultur: Speed-Lobing und Abschluss
Bewährte Methoden
- Teambarometer: Visuelle Bestandsaufnahme der Teamgesundheit
- Wetterbericht: Wetterbilder an 4–6 Stellen im Raum; Teammitglieder wählen das passende Wetter und beschreiben kurz ihre Stimmung (~2 Min. pro Person). Idealer Einstieg in jede Teamsitzung.
- Seerosenmodell: Sichtbares Verhalten (über Wasser) vs. verborgene Werte und Bedürfnisse (unter Wasser)
- 5-Schritte-Coaching: Strukturiertes Coaching-Modell für Mitarbeiterentwicklung
- Speed-Lobing: Schnelle Lobrunden – jeder sagt jedem in 30 Sekunden etwas Positives
Das Jahresgespräch: Struktur und Fragen
Ein strukturiertes Template für jährliche Mitarbeitergespräche:
- Aufgaben und Leistungen: Was ist im vergangenen Jahr gut gelaufen? Was nicht und warum?
- Entwicklungsziele: Welche Ziele wurden letztes Jahr gesetzt? Erreicht oder nicht? Persönliche und fachliche Ziele fürs kommende Jahr?
- Zusammenarbeit und Feedback: “Welches Feedback möchten Sie mir als Leitung geben?” / “Wenn Sie einen Tag lang an meiner Stelle wären – welche Maßnahmen würden Sie ergreifen?”
- Sonstiges: Raum für alles, was nicht passt
Tipp: Mitarbeiter bitten, den Bogen ausgefüllt zum Gespräch mitzubringen – das fördert Eigenverantwortung.
Selbstführung: Die Basis für Teamführung
- Keine “Tür-und-Angel-Gespräche”: Nehmen Sie sich richtig Zeit für Gespräche
- “Ich steuere meine Gedanken im Kopf” – bewusste Gedankenkontrolle
- Erst reagieren wenn zentriert: “Der, der uns ärgert, kontrolliert uns”
- “Wolfsbuch” führen: Ein Vorbereitungsjournal für schwierige Gespräche
- Rollenreflexion: Meine Rollen zuhause vs. meine Rollen auf der Arbeit – wo gibt es Spannungen?
Selbstlob und Wertschätzung üben
Führungskräfte vergessen oft sich selbst. Diese Satzanfänge helfen:
- “Ich bin stolz auf mich, weil…”
- “Ich finde super, dass ich…”
- “Ich kann mich freuen, weil…”
- “Ich gebe mir viel Mühe bei…”
- “Ich habe mir ein Lob verdient, weil…”
- “Ich kann beeindrucken mit…”
Kompetent leiten
Leiten hat kaum jemand systematisch gelernt. Im Kurs geht es um Rollenklärung, Mitarbeitergespräche und Entscheidungen, die das Team mitträgt.
Kurz anfragen: Ihre E-Mail-Adresse genügt. Miriam Steimer meldet sich innerhalb von zwei Werktagen, auf Wunsch per Rückruf.
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Stand: September 2026 · Erstellt mit KI-Unterstützung, fachlich geprüft von Miriam Steimer