»Der Raum als dritter Pädagoge« ist ein Leitsatz aus der Reggio-Pädagogik (Loris Malaguzzi). Er besagt: Neben den anderen Kindern (erster Pädagoge) und den Fachkräften (zweiter Pädagoge) erzieht auch der Raum selbst, durch seine Gestaltung, sein Material und die Botschaften, die er Kindern sendet.
Der Satz wird oft zitiert und selten ernst genommen. Dabei lässt er sich an jedem Nachmittag überprüfen: Ein kahler Flur mit Verbotsschildern erzieht. Ein Baubereich, dessen Material auf Kinderhöhe offen zugänglich ist, erzieht auch, nur eben zu etwas anderem. Räume signalisieren, was hier von Kindern erwartet wird: Stillsitzen oder Gestalten, Fragen oder Funktionieren.
Der Praxistest: Was sagt Ihr Raum?
Gehen Sie einmal in der Hocke durch Ihre Einrichtung, auf Augenhöhe eines Siebenjährigen, und beantworten Sie drei Fragen. Was kann ich hier ohne Erlaubnis anfangen? (Zugängliches Material = Botschaft: Deine Ideen sind willkommen.) Wo kann ich mich zurückziehen, ohne beobachtet zu werden? (Keine Rückzugsorte = Botschaft: Du wirst hier verwaltet.) Und: Hängt hier etwas von mir, meine Werke, meine Worte, meine Fotos? (Nur Erwachsenen-Deko = Botschaft: Das ist nicht dein Raum.)
Wirkung ohne Budget
Die gute Nachricht für alle, die jetzt an Geld denken: Der dritte Pädagoge arbeitet auch günstig. Material aus verschlossenen Schränken in offene Regale räumen. Eine Sofaecke mit Vorhang zum Rückzugsort erklären. Kinderwerke auf Augenhöhe statt unter der Decke aufhängen. Und die wirksamste Maßnahme kostet gar nichts: die Kinder fragen, was ihnen an ihren Räumen fehlt, und eine ihrer Antworten tatsächlich umsetzen.
Wie Raumgestaltung in der Schulkindbetreuung systematisch gelingt, von der Zonierung bis zur Lautstärke, beschreibt der Artikel Raumgestaltung in der Schulkindbetreuung: Der Raum als dritter Pädagoge. Zum Zusammenhang von Raum und Geräuschpegel: Lautstärke im Hort reduzieren.
Weitere Begriffe im Glossar
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