Raumgestaltung in der Schulkindbetreuung: Der Raum als dritter Pädagoge

Raumgestaltung im Hort und Ganztag: 5 Funktionsbereiche, Akustik, § 22 Abs. 3 SGB VIII, m²-Richtwerte. Checkliste und FAQ für Raumkonzepte.

Wer Grundschulkinder nachmittags zum Stillsitzen zwingt, hat den Raum nicht verstanden.

Nach fünf oder sechs Schulstunden brauchen Kinder Bewegung, Rückzug, Konzentration und Begegnung, oft alles innerhalb einer Stunde. Ein gut gestalteter Hort- oder Ganztagsraum trennt diese Bedürfnisse klar voneinander. Das macht die Kinder zufriedener und senkt den Geräuschpegel.

Das Wichtigste in Kürze

  1. Der Raum erzieht mit. In der Reggio-Pädagogik heißt er deshalb der dritte Pädagoge.
  2. Ein gutes Raumkonzept trennt fünf Bereiche: Rückzug, Bewegung, Konzentration, Kreativität und Begegnung. Auch ein einziger Raum lässt sich so aufteilen.
  3. Gegen Lärm helfen vor allem Teppiche, Akustikpaneele und feste Ruhezeiten.
  4. Wie viel Fläche pro Kind nötig ist, steht in der Verordnung Ihres Bundeslandes. Das Jugendamt schaut bei Begehungen auch auf die Aufteilung.

Zum Abhaken: der Raum-Check als PDF ↓

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Auf einen Blick

  • Rechtlicher Rahmen: § 22 Abs. 3 SGB VIII (Förderung), § 45 SGB VIII (Räume als Voraussetzung der Betriebserlaubnis)
  • Die fünf Funktionsbereiche, Richtwerte zur Fläche, Akustik als unterschätzter Faktor, 10-Punkte-Checkliste
  • Der Raum ist der dritte Pädagoge. Er erzieht mit, ob man ihn lässt oder nicht.

Rechtsrahmen: Was die Gesetze zur Raumgestaltung sagen

Zwei Paragrafen und Ihre Landesverordnung setzen den Rahmen.

Die rechtlichen Vorgaben sind weniger konkret, als viele denken, aber sie setzen einen klaren Rahmen.

§ 22 SGB VIII: Rückzug und Begegnung

§ 22 Abs. 2 SGB VIII verpflichtet Einrichtungen, „die Entwicklung des Kindes zu einer selbstbestimmten, eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu fördern“. Das hat unmittelbare Folgen für den Raum: Er muss sowohl Rückzug (eigenverantwortlich) als auch Begegnung (gemeinschaftsfähig) ermöglichen.

§ 45 SGB VIII: Räume für die Betriebserlaubnis

§ 45 SGB VIII macht angemessene Räume zur Voraussetzung für die Betriebserlaubnis. Das Jugendamt prüft bei Begehungen nicht nur die Quadratmeter, sondern auch die funktionale Aufteilung.

Die konkreten Richtwerte stehen in den Kita- und Hortverordnungen der Bundesländer. Dazu kommen DIN-Normen für Sicherheit, Brandschutz und Hygiene.

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Der Raum als dritter Pädagoge

Die Formulierung stammt aus der Reggio-Pädagogik und gilt seit Loris Malaguzzi als pädagogisches Grundprinzip: Nach den Erwachsenen und der Kindergruppe ist der Raum die dritte prägende Instanz. Er sendet ständig Botschaften, ob gewollt oder nicht.

Ein überfüllter Raum sagt

Ein überfüllter, lauter Raum signalisiert: „Hier ist kein Platz für dich.“

oder

Ein klar strukturierter Raum sagt

Ein klar strukturierter Raum signalisiert: „Du bist willkommen, hier findest du, was du brauchst.“

Für die Schulkindbetreuung gilt besonders: Grundschulkinder sind keine kleinen Kitakinder mehr, aber auch noch keine Jugendlichen. Sie wollen Eigenverantwortung übernehmen, dafür brauchen sie Räume, die sie selbst gestalten und verändern dürfen.

Starre, perfekt dekorierte Räume sind in diesem Alter kontraproduktiv.

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Die 5 Funktionsbereiche

Fünf Bereiche, auch wenn Sie nur einen Raum haben.

Ein tragfähiges Raumkonzept trennt fünf Funktionsbereiche, auch wenn in der Realität oft nur ein oder zwei Räume zur Verfügung stehen und Bereiche durch Regale, Vorhänge oder Teppiche voneinander abgegrenzt werden müssen.

1. Rückzug und Ruhe

Jede Gruppe braucht mindestens eine echte Rückzugszone: eine Ecke mit Kissen, Decke, Büchern, gedämpftem Licht und der stillschweigenden Regel, dass hier nicht gesprochen wird. Dieser Bereich ist nicht optional, sondern Pflicht.

2. Bewegung und Toben

Bewegungsflächen sollten möglichst großzügig und wettergeschützt zur Verfügung stehen. Wo kein separater Bewegungsraum existiert, helfen mobile Elemente: Matten, Kissen-Bausteine, Balance-Inseln. Wichtig: Bewegung darf nicht nur draußen stattfinden, schlechtes Wetter darf nicht automatisch zu Reizüberflutung im Gruppenraum führen.

3. Konzentration und Hausaufgaben

Für Hausaufgaben und konzentrierte Einzelarbeit braucht es einen akustisch abgeschirmten Bereich mit Tisch, gutem Licht und möglichst wenig visueller Unruhe. Bewährt: kleine „Lerninseln“ für 2–4 Kinder, nicht der klassische Schulklassen-Look. Das signalisiert: Hier ist Hort, nicht Schule.

4. Kreativität und Rollenspiel

Mal-, Bastel- und Rollenspielbereiche brauchen freien Zugang zu Material, sonst findet spontane Kreativität nicht statt. Offene Regale auf Kinderhöhe, beschriftete Kisten, klare Regeln zum Aufräumen. Ein Kreativbereich darf und soll unordentlich aussehen dürfen, das ist sein Zweck.

5. Begegnung und Gemeinschaft

Ein zentraler Ort, an dem Kinderkonferenz, gemeinsames Essen oder Vorlesen stattfindet. Oft ein großer Teppich mit einem Stuhlkreis oder eine große Tischrunde. Dieser Bereich verbindet die Gruppe, hier entsteht Zugehörigkeit.

Warum die Rückzugszone Pflicht ist: Nach der Schule brauchen viele Kinder zuerst ein „Dekompressions-Polster“, bevor sie wieder gruppentauglich werden.

Weitere wichtige Bereiche

Je nach räumlichen Möglichkeiten ergänzen drei weitere Bereiche das Funktionskonzept:

Medienecke

Ein klar abgegrenzter Bereich für altersgerechten Zugang zu digitalen Medien, mit festen Nutzungsregeln und pädagogischer Begleitung.

Küche und Essbereich

Gemeinsam kochen und essen als soziales Erlebnis. Kinder lernen Alltagskompetenzen und erleben Gemeinschaft.

Außenbereich

Naturerfahrung, Bewegung und freies Spiel im Freien. Der Außenbereich ist ein gleichwertiger Bildungsraum und sollte täglich frei zugänglich sein.

Raumgestaltung mit kleinem BudgetGute Räume müssen nicht teuer sein.
So geht esElternaktionen zur Renovierung nutzen. Gebrauchte Möbel umfunktionieren. Naturmaterialien einsetzen (kostenlos und pädagogisch wertvoll).
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Akustik: Der unterschätzte Faktor

Vier Stellschrauben gegen den Lärm.

Ruhige Leseecke zur Lärmreduzierung im Hort

Grundschulkinder in der Wackelzahnpubertät reagieren auf Dauerlärm mit Reizbarkeit, Rückzug oder Aggression, oft ohne dass sie selbst merken, was sie krank macht.

Teppiche statt harter Böden

Schon ein Teppich in der Mitte des Raums dämpft den Schall.

Akustikpaneele an der Decke

Die wirksamste Einzelmaßnahme, oft förderfähig.

Visuelle Ruhezonen

Wenn das Auge zur Ruhe kommt, sinkt der Lärmpegel automatisch, weil Kinder sich entspannen.

Feste Ruhezeiten

15 Minuten „leiser Modus“ nach der Ankunft geben dem Raum eine neue akustische Grundstimmung.

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10-Punkte-Checkliste: Raumgestaltung im Hort und Ganztag

Zum Abhaken in der nächsten Teamsitzung.

Hat jede Gruppe mindestens eine echte Rückzugszone mit Ruheregel?

Sind die 5 Funktionsbereiche (Ruhe, Bewegung, Konzentration, Kreativität, Begegnung) sichtbar getrennt?

Erfüllen wir den Richtwert unserer Landesverordnung für die Fläche pro Kind?

Ist das Material frei zugänglich auf Kinderhöhe?

Haben wir mindestens einen Teppich oder Akustikpaneele zur Lärmreduktion?

Dürfen Kinder den Raum mitgestalten (eigene Werke, Wandgestaltung, Sitzordnung)?

Gibt es einen klaren Ort für die Kinderkonferenz/gemeinsame Begegnung?

Ist der Raum flexibel? (Können Möbel bewegt werden, wenn sich Bedarfe ändern?)

Werden Lichtverhältnisse bewusst eingesetzt (warmes Licht für Ruhe, helles für Konzentration)?

Wird die Raumgestaltung mindestens alle 1–2 Jahre im Team reflektiert und angepasst?

Zum Ausdrucken

Der Raum-Check für Ihre nächste Teamsitzung

Die zehn Fragen zum Abhaken, daneben Platz für das, was Sie ändern wollen. Auf der zweiten Seite zeichnen Sie Ihre fünf Bereiche in ein Raster. Das PDF kommt sofort per E-Mail.

Sie bekommen die Unterlagen per E-Mail und können sie direkt öffnen.

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    Häufig gestellte Fragen zur Raumgestaltung

    Wir haben nur einen Gruppenraum. Wie schaffen wir trotzdem 5 Funktionsbereiche?

    Mit Zonierung: Regale, Teppiche, Vorhänge oder Paravents teilen einen Raum in Bereiche. Wichtig ist nicht die bauliche Trennung, sondern die erkennbare Abgrenzung. Schon ein großer Teppich definiert eine Zone. Mobile Elemente (Kissen-Bausteine, Klapptische) lassen Bereiche kurzfristig umwandeln, je nach Bedarf.

    Wie viele Quadratmeter pro Kind sind rechtlich vorgeschrieben?

    Die Vorgaben variieren zwischen den Bundesländern. Die genauen Werte stehen in der Kita-/Hortverordnung Ihres Bundeslandes. Das Jugendamt prüft bei § 45-Begehungen auch die funktionale Aufteilung, nicht nur die Quadratmeter.

    Dürfen Kinder den Raum selbst gestalten?

    Ja, und sie sollten es. Partizipation in der Raumgestaltung ist die einfachste Form echter Beteiligung (siehe Leitfaden Partizipation). Kinder, die ihren Raum mitgestalten dürfen, erleben ihn als „ihren“ Raum und gehen entsprechend sorgsamer mit ihm um. Wichtig: Klare Rahmenbedingungen vorgeben (Budget, Sicherheit, Brandschutz), innerhalb dessen die Kinder entscheiden.

    Welche Fehler bei der Raumgestaltung sehen Sie am häufigsten?

    Drei Klassiker: (1) Der Raum ist zu voll: zu viel Spielzeug, zu viele visuelle Reize, die Kinder überfordern statt einzuladen. (2) Es fehlt der Rückzugsort: Kinder können nur laut sein oder gar nicht da sein. (3) Der Raum wurde einmal eingerichtet und dann nie wieder verändert, obwohl sich Kinder, Bedürfnisse und pädagogische Schwerpunkte ständig weiterentwickeln.

    Wie finanzieren wir Umbauten, wenn der Träger nicht zahlt?

    Es gibt diverse Fördermöglichkeiten: kommunale Investitionsprogramme, Stiftungen (Deutsche Kinder- und Jugendstiftung, Aktion Mensch), Fördervereine. Akustikmaßnahmen sind oft über Gesundheitsförderung der Krankenkassen förderfähig. Wichtig: Ein schriftliches Raumkonzept als Grundlage, damit der Antrag nicht auf „wir hätten gerne neue Möbel“ beschränkt bleibt.

    Raum, Team und Pädagogik zusammen denken

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    Stand: Oktober 2026 · Erstellt mit KI-Unterstützung

    Miriam Steimer, Gruenderin Leuchtturm Akademie

    Ueber die Autorin

    Miriam Steimer

    Gruenderin Leuchtturm Akademie · Staatlich anerkannte Erzieherin · Anti-Gewalt- und Coolness-Trainerin

    Mit ueber 15 Jahren Praxiserfahrung in der Schulkindbetreuung begleitet Miriam paedagogische Fachkraefte und Einrichtungsleitungen mit Inhouse-Fortbildungen und Live-Online-Kursen. Schwerpunkte: Konfliktmanagement, Gewaltpraevention, Elternarbeit und Teamentwicklung in Hort, Kernzeit und Ganztagsbetreuung.